Arbeitszeugnis-Urteile verständlich erklärt

Die Zeugnissprache ist über Jahrzehnte durch die Arbeitsgerichte geformt worden. In diesem Lexikon fassen wir 25 zentrale Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichts und der Landesarbeitsgerichte in verständlichen Worten zusammen — und erklären, was jedes Urteil konkret für Ihr Arbeitszeugnis bedeutet.

Sind Gerichtsurteile zum Arbeitszeugnis frei verwendbar? Ja. Gerichtsentscheidungen sind gemeinfrei (§ 5 UrhG). Die Zusammenfassungen in diesem Lexikon sind eigene, sinngemäße Wiedergaben der amtlichen Entscheidungen — kein Ersatz für eine Rechtsberatung, aber eine verlässliche Orientierung, worauf es bei Ihrem Zeugnis ankommt.

Ausführlich erklärt

Die wichtigsten Entscheidungen mit Sachverhalt, Begründung, Bedeutung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber sowie Formulierungsbeispielen.

BAG 9 AZR 584/13

„Zur vollen Zufriedenheit" ist nur die Note 3

„Zur vollen Zufriedenheit" bescheinigt eine durchschnittliche Leistung, also die Note befriedigend. Für „gut" muss ein Zeitmoment hinzukommen, etwa „stets zur vollen Zufriedenheit".

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BAG 9 AZR 227/11 · 9 AZR 146/21

Dank und Bedauern sind nicht einklagbar

Dank, Bedauern und gute Wünsche gehören nicht zum gesetzlich geschuldeten Inhalt eines Arbeitszeugnisses. Einklagen lässt sich eine solche Schlussformel nicht.

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BAG 9 AZR 632/07

Beredtes Schweigen: Was fehlt, zählt

Ist es in einer Branche oder Berufsgruppe üblich, bestimmte Leistungen oder Eigenschaften zu erwähnen, wirkt ihr Fehlen regelmäßig wie ein versteckter Hinweis auf eine allenfalls durchschnittliche Bewertung.

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BAG 9 AZR 507/04

Der Unterzeichner muss ranghöher sein

Ein Arbeitszeugnis muss von einer Person unterschrieben sein, die erkennbar ranghöher ist als Sie. In der Regel ist das jemand, der Ihnen gegenüber weisungsbefugt war.

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BAG 9 AZR 262/20

Kein Zeugnis im Schulnoten-Raster

Ein qualifiziertes Zeugnis, das Leistung und Verhalten wie ein Schulzeugnis in einer Tabelle mit Noten bewertet, erfüllt Ihren Anspruch regelmäßig nicht.

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BAG 3 AZB 35/11 · 9 AZB 49/16

Zeugnis im Vergleich: Entwurf ja, bloße Notenstufe nein

Verpflichtet sich der Arbeitgeber im Vergleich, ein Zeugnis „entsprechend einem Entwurf" des Arbeitnehmers zu erteilen, lässt sich das per Zwangsgeld durchsetzen (BAG 3 AZB 35/11).

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BAG 9 AZR 248/07

Das Zwischenzeugnis bindet auch das Endzeugnis

Das Endzeugnis darf für den Zeitraum des Zwischenzeugnisses nur abweichen, wenn Leistung oder Verhalten danach das rechtfertigen.

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BAG 9 AZR 352/04

Ein „stets" darf man nicht heimlich streichen

Verlangen Sie zu Recht eine Berichtigung, darf der Arbeitgeber die übrigen, nicht beanstandeten Passagen nicht ohne neue Umstände verschlechtern.

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BAG 9 AZR 8/15

Wahrheit geht vor Wohlwollen, auch beim Enddatum

Das Zeugnis muss in erster Linie wahr sein; wohlwollend darf es nur im Rahmen der Wahrheit sein. Das gilt für den gesamten Inhalt, auch für Daten.

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Alle Urteile nach Thema

Note & Beweislast

BAG 9 AZR 584/13ausführlich erklärt

„Zur vollen Zufriedenheit" ist nur die Note 3

Die verbreitete Formel „zur vollen Zufriedenheit" steht für eine befriedigende Leistung (Note 3) — nicht für eine gute. Wer im Str…

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LAG Köln 4 Sa 353/16

Eine gute Einzelnote hebt nicht die Gesamtnote

Wird ein einzelnes Merkmal besonders positiv hervorgehoben, folgt daraus kein Anspruch, auch die Gesamtbeurteilung entsprechend an…

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LAG Hamm 3 Sa 231/02

Die genaue Formel entscheidet über die Bewertungsstufe

Die Bewertungshöhe hängt an der exakten Zufriedenheitsformel: Für die bescheinigte Leistungsstufe muss die dazu passende Standardf…

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Schlussformel

BAG 9 AZR 227/11 · 9 AZR 146/21ausführlich erklärt

Dank und Bedauern sind nicht einklagbar

Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Schlussformel mit Dank, Bedauern und guten Wünschen. Wer mit einer vorhandenen Forme…

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LAG Köln 4 Sa 1315/07

Fehlender Dank unter gutem Zeugnis: vom BAG anders gesehen

Das LAG Köln hielt es für widersprüchlich, ein überdurchschnittliches Zeugnis nur mit „für die Zukunft alles Gute" zu schließen, u…

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LAG Düsseldorf 12 Sa 505/08

Bei durchschnittlicher Bewertung keine Pflicht zur Dankesformel

Steht dem Arbeitnehmer nur eine durchschnittliche Leistungs- und Verhaltensbeurteilung zu, muss der Arbeitgeber das Zeugnis nicht …

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LAG Düsseldorf 3 Sa 800/20

Anspruch auf Dank und gute Wünsche — vom BAG aufgehoben

Das LAG Düsseldorf sprach einem Arbeitnehmer mit einwandfreiem Verhalten und leicht überdurchschnittlicher Leistung einen Anspruch…

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Geheimcodes & verdeckte Kritik

LAG Hamm 4 Sa 630/98

Verschlüsselte Formulierungen sind unzulässig

Doppelbödige Formulierungen, die zwischen den Zeilen das Gegenteil des Wortlauts transportieren, sind unzulässig und auf Verlangen…

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BAG 9 AZR 386/10

Maßstab für Geheimzeichen: der objektive Leser

Ob eine Formulierung ein verbotenes Geheimzeichen ist, entscheidet sich am objektiven Empfängerhorizont eines durchschnittlichen A…

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LAG Köln 6 Sa 15/18

„Emotionale Präsenz" ist keine Auszeichnung

Die Formulierung „emotionale Präsenz" ist nach Ansicht des Gerichts nicht geeignet, Teil eines guten Zeugnisses zu sein. Der Arbei…

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Vollständigkeit & beredtes Schweigen

BAG 9 AZR 632/07ausführlich erklärt

Beredtes Schweigen: Was fehlt, zählt

Ist es in einer Berufsgruppe oder Branche üblich, bestimmte Leistungen oder Eigenschaften zu erwähnen, wirkt ihr Weglassen regelmä…

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LAG Düsseldorf 12 Sa 936/16

Fehlt die Vorgesetzten-Bewertung, ist das Zeugnis lückenhaft

Wird das Verhalten gegenüber Kollegen und Kunden bewertet, das gegenüber Vorgesetzten aber ausgespart, ist das Zeugnis grundlos un…

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Form, Aufbau & Unterschrift

BAG 9 AZR 507/04ausführlich erklärt

Der Unterzeichner muss ranghöher sein

Wer das Zeugnis unterschreibt, muss erkennbar ranghöher stehen als die beurteilte Person. Unterzeichnet ein Vertreter, sind Vertre…

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BAG 9 AZR 262/20ausführlich erklärt

Kein Zeugnis im Schulnoten-Raster

Der Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis wird nicht erfüllt, wenn Leistung und Verhalten nur tabellarisch wie in einem Schulzeu…

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LAG Hamm 4 Sa 2587/98

Der Anwalt darf das Zeugnis nicht unterschreiben

Ein Zeugnis ist nicht ordnungsgemäß, wenn es statt von einem weisungsbefugten betrieblichen Vorgesetzten von einem Rechtsanwalt un…

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Anspruch, Fristen & Durchsetzung

BAG 3 AZB 35/11 · 9 AZB 49/16ausführlich erklärt

Zeugnis im Vergleich: Entwurf ja, bloße Notenstufe nein

Verpflichtet sich der Arbeitgeber in einem Prozessvergleich, ein Zeugnis entsprechend einem Entwurf des Arbeitnehmers zu erteilen,…

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BAG 3 AZR 121/11

Der Arbeitgeber muss erst nach Ihrer Aufforderung liefern

Der Zeugnisanspruch ist ein „verhaltener Anspruch": Er entsteht spätestens mit dem Ende des Vertragsverhältnisses, aber der Verpfl…

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BAG 9 AZB 49/16

Eine bloße Notenstufe ist nicht vollstreckbar

Ein Prozessvergleich, der den Arbeitgeber nur zu einem Zeugnis „mit einer sehr guten Führungs- und Leistungsbeurteilung" verpflich…

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BAG 3 AZR 120/11

Schadensersatz erst nach Verzug

Ein Schadensersatzanspruch wegen verspäteter Zeugniserteilung setzt voraus, dass sich der Verpflichtete in Verzug befindet — dafür…

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BAG 3 AZB 35/11

Zeugnis „nach Entwurf des Arbeitnehmers" ist vollstreckbar

Verpflichtet sich der Arbeitgeber in einem Prozessvergleich, ein Zeugnis entsprechend einem Entwurf des Arbeitnehmers zu erteilen,…

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Zwischenzeugnis & Bindung

BAG 9 AZR 248/07ausführlich erklärt

Das Zwischenzeugnis bindet auch das Endzeugnis

Hat der Arbeitgeber ein Zwischenzeugnis erteilt, ist er für den davon erfassten Zeitraum regelmäßig an dessen Inhalt gebunden, wen…

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BAG 7 AZR 100/19

Wann Sie ein Zwischenzeugnis verlangen können

Ein triftiger Grund für ein Zwischenzeugnis liegt etwa vor, wenn sich die Tätigkeit ändert oder der Vorgesetzte wechselt. Ist die …

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LAG Köln 2 Sa 112/20

Bessere Note im Zwischenzeugnis nur mit konkreten Belegen

Der Arbeitnehmer verlangte, die mittlere Bewertung („befriedigend") in seinem Zwischenzeugnis anzuheben. Das Gericht wies das ab: …

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Grundsätze der Zeugnissprache

BAG 9 AZR 352/04ausführlich erklärt

Ein „stets" darf man nicht heimlich streichen

Bei einem berichtigten Zeugnis bleibt der Arbeitgeber an seine frühere Verhaltensbeurteilung gebunden, solange keine neuen Umständ…

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BAG 9 AZR 8/15ausführlich erklärt

Wahrheit geht vor Wohlwollen, auch beim Enddatum

Ein Zeugnis muss in erster Linie wahr sein; wohlwollend darf es nur im Rahmen der Wahrheit sein. Im entschiedenen Fall ging es um …

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Hinweis: Dieses Lexikon dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung im Sinne des Rechtsdienstleistungsgesetzes dar. Für die verbindliche Beurteilung Ihres Einzelfalls wenden Sie sich an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht.

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