Noten im Arbeitszeugnis: So erkennen Sie Ihre Bewertung

Das Arbeitszeugnis verwendet eine versteckte Notenskala von 1 bis 6. Lernen Sie, Ihre eigene Note zu erkennen.

Welche Noten gibt es im Arbeitszeugnis? Das Arbeitszeugnis verwendet eine versteckte Notenskala von 1 bis 6, ausgedrückt durch codierte Formulierungen. Note 1 (sehr gut): „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit". Note 2 (gut): „stets zu unserer vollen Zufriedenheit". Note 3 (befriedigend): „zu unserer vollen Zufriedenheit". Note 4 (ausreichend): „zu unserer Zufriedenheit". Note 5 (mangelhaft): „hat sich bemüht". In der Praxis fallen die meisten Zeugnisse gut bis befriedigend aus (Note 2–3) — eine belastbare Gesamtstatistik über alle Branchen gibt es allerdings nicht.

Die versteckte Notenskala im Arbeitszeugnis

Arbeitszeugnisse enthalten keine offenen Noten wie "Note 2" oder "befriedigend". Stattdessen werden Bewertungen durch codierte Formulierungen ausgedrückt, die einer Skala von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) entsprechen. Dass „zur vollen Zufriedenheit" dabei nur die mittlere Note 3 bedeutet, hat das Bundesarbeitsgericht ausdrücklich bestätigt (Urteil vom 18.11.2014, Az. 9 AZR 584/13).

Diese Praxis hat sich entwickelt, weil ein Zeugnis nach der Rechtsprechung wahr und zugleich wohlwollend sein muss. Arbeitgeber haben daher eine eigene Sprache entwickelt, die positiv klingt, aber klare Abstufungen enthält.

Die Notenskala im Überblick

1

Sehr gut

Herausragend, übertrifft alle Erwartungen

Schlüsselbegriffe:

  • "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit"
  • "ausserordentlich"
  • "hervorragend"
  • "vorbildlich"

Verbreitung: eher selten

2

Gut

Überdurchschnittlich, übertrifft die Anforderungen

Schlüsselbegriffe:

  • "stets zu unserer vollen Zufriedenheit"
  • "sehr gut"
  • "einwandfrei"
  • "jederzeit"

Verbreitung: häufig

3

Befriedigend

Durchschnitt, entspricht den Anforderungen

Schlüsselbegriffe:

  • "zu unserer vollen Zufriedenheit" (ohne stets!)
  • "stets zu unserer Zufriedenheit"
  • "gut"

Verbreitung: sehr häufig

Achtung: Note 3 ist nur Durchschnitt - klingt aber noch positiv!
4

Ausreichend

Unterdurchschnittlich, gerade noch akzeptabel

Schlüsselbegriffe:

  • "zu unserer Zufriedenheit" (ohne jede Steigerung!)
  • "insgesamt"
  • "korrekt" (beim Verhalten)

Verbreitung: seltener, aber ein Warnsignal

Warnung: Bereits problematisch für Bewerbungen!
5

Mangelhaft

Unzureichend, erfüllt Anforderungen nicht

Schlüsselbegriffe:

  • "im Großen und Ganzen"
  • "hat sich bemüht"
  • "im Wesentlichen"
  • "im Allgemeinen"

Verbreitung: selten (offen mangelhafte Zeugnisse sind unüblich)

6

Ungenuegend

Völlig unzureichend, schwerwiegende Mängel

Schlüsselbegriffe:

  • "hat sich bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden"
  • "zeigte Interesse"
  • "war bestrebt"

Verbreitung: sehr selten

Wichtig bei den Stufen 5 und 6: Gerade die beiden untersten Noten hängen stark vom genauen Wortlaut und vom Gesamtkontext ab. Die Fachquellen ordnen einzelne „bemüht“-Varianten teils der 5, teils der 6 zu — entscheidend ist die konkrete Formulierung, nicht ein Einzelwort.

So finden Sie Ihre Note heraus

1

Suchen Sie die Leistungszusammenfassung

Die wichtigste Stelle ist die zusammenfassende Leistungsbeurteilung, meist in der Mitte des Zeugnisses. Suchen Sie nach "...zu unserer...Zufriedenheit".

2

Achten Sie auf "stets" und Steigerungen

Das Wort "stets" ist entscheidend! "Stets zu unserer vollen Zufriedenheit" (Note 2) ist deutlich besser als "zu unserer vollen Zufriedenheit" (Note 3).

3

Prüfen Sie die Schlussformel

Fehlen Dank und Zukunftswünsche? Werden diese nur kurz erwähnt? Die Schlussformel verstärkt oder relativiert die Gesamtnote.

4

Achten Sie auf Auslassungen

Was NICHT im Zeugnis steht, kann genauso wichtig sein. Fehlende Standardelemente werden oft als negativ gewertet.

Welche Note ist "normal"?

Eine belastbare, branchenübergreifende Gesamtstatistik über die Notenverteilung in deutschen Arbeitszeugnissen gibt es nicht. Beobachtbar ist aber eine deutliche Tendenz zum Wohlwollen: Die meisten Zeugnisse werden im guten bis befriedigenden Bereich (Note 2 bis 3) ausgestellt. Als grobe Orientierung – nicht als harte Zahl – heißt das:

  • Note 1 oder 2 gilt bei den meisten Personalern als gut
  • Note 3 ist bereits durchschnittlich – trotz freundlichem Klang und bei Bewerbungen oft ein Nachteil
  • Note 4 oder schlechter ist ein ernstes Warnsignal

Wichtig: Rechtlicher Ausgangspunkt ist die befriedigende Note 3. Wollen Sie eine bessere Bewertung, müssen Sie die Leistungen belegen; steht eine unterdurchschnittliche Note im Zeugnis, muss der Arbeitgeber sie begründen (BAG, 18.11.2014, 9 AZR 584/13). Was das für Ihr Vorgehen bedeutet, steht im Ratgeber schlechtes Zeugnis: was tun? Liegt Ihr Zeugnis unter Ihrer wirklichen Leistung, können Sie es reklamieren und berichtigen lassen.

Häufige Fragen zu den Noten im Arbeitszeugnis

Wie erkenne ich die Note in meinem Arbeitszeugnis?

An der zusammenfassenden Zufriedenheitsformel: „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ = Note 1, „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ = Note 2, „zu unserer vollen Zufriedenheit“ = Note 3, „zu unserer Zufriedenheit“ = Note 4. Ein fehlendes „stets“ oder „vollen“ senkt die Bewertung um eine Stufe.

Was bedeutet „zu unserer Zufriedenheit“?

„Zu unserer Zufriedenheit“ ohne jede Steigerung entspricht der Note 4 (ausreichend) und ist damit unterdurchschnittlich. Erst „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ steht für die Note 2.

Welche Noten gibt es im Arbeitszeugnis?

Es gilt eine versteckte Skala von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend), analog zu Schulnoten. Die Note wird nicht durch Zahlen, sondern durch feste Formulierungen ausgedrückt.

Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung im Sinne des Rechtsdienstleistungsgesetzes dar. Für die verbindliche Beurteilung Ihres Einzelfalls wenden Sie sich an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht.

Über die Autor:innen

Dr. Markus Neubeck

Dr. Markus Neubeck

Gründer & Technische Leitung

Verantwortet die fachliche und technische Ausrichtung des Zeugnisservice. Promotion (summa cum laude, Schwerpunkt Computational Modelling, RPTU Kaiserslautern-Landau) und jahrelange Arbeit an KI- und Sprachverarbeitungs-Systemen (NLP) — die Grundlage dafür, Zeugnissprache, versteckte Codes und die dahinterliegende Rechtsprechung präzise und nachvollziehbar aufzubereiten.

Mehr über das Team →
Miriam Neubeck

Miriam Neubeck

Fachliche Beraterin & Qualitätssicherung

Personalreferentin mit mehrjähriger Berufserfahrung. Bringt die Perspektive der betrieblichen Praxis ein — wie Zeugnisse im Personalwesen tatsächlich gelesen, formuliert und bewertet werden.

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Schnell-Check

Finden Sie Ihren Schlüssel-Satz:

  • "stets vollste" = 1
  • "stets volle" = 2
  • "volle" oder "stets zufrieden" = 3
  • "zur Zufriedenheit" = 4
  • "im Großen und Ganzen" oder "bemüht" = 5
  • "bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden" = 6

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